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»Der Skandal begann an einem heißen Septemberabend, an dem auf
einer der kleineren Bühnen der Residenz eine Komödie Premiere hatte.
Das Stück, eine lose Szenenfolge, hieß Midas, war nach den an den
Bäumen der großen Boulevards plakatierten Ankündigungen der
Theaterdirektion ein weiterer Auszug aus Nasos rätselhaftem, entstehenden
Werk und handelte von einem bis zur Verrücktheit musikbegeisterten Reeder
aus Genua, dem in einer rasenden Geldgier alles zu Gold wurde, was er berührte;
zuerst waren es nur die Kiesel eines Gartenweges, Stuckrosen und eine Strohgarbe,
aber nach und nach erstarrten dem Reeder auch die Jagdhunde, die Früchte,
nach denen er griff, Wasser, in dem er sich baden wollte, und schließlich
die Menschen, die er liebkoste, festhielt oder schlug. Am Ende saß der
Unglückliche starrend vor Schmutz, bis zum Skelett abgemagert in einer
goldenen Wüste, umgeben von den mattschimmernden Skulpturen seiner Liebsten
und sprach aus dieser metallenen Welt einen hallenden Monolog, der nicht nur
eine Verfluchung des Geldes, sondern eine pointenreiche Verspottung aller war,
die danach gierten. In diesem vom Gelächter und Applaus des Publikums immer
wieder unterbrochenen Monolog fielen endlich auch in Palindromen und Schüttelreimen
verborgene Namen von stadtbekannten Aufsichtsratsvorsitzenden, Abgeordneten
und Richtern ... Der Reeder wurde schließlich von seinem Fluch und dem
Hunger nur im Tausch gegen ein anderes, wenn auch milderes Schicksal erlöst:
Seine Ohren wurden haarig und lang und seine Stimme brechend und klagend wie
die eines Esels. So trat er ab. Das Publikum johlte vor Vergnügen und warf
Samtkissen und Blumen auf die Bühne. An diesem und an zwei weiteren Abenden
war das Theater ausverkauft und die Luft vom Schweiß und Parfüm der
vielen Zuschauer so schwer, daß die Platzanweiser auch während der
Vorstellung Tannenduft aus bauchigen Flakons versprühten. Am vierten Abend
hinderte ein berittener Polizeitrupp mit Stahlruten und langen Gerten das Publikum
am Betreten und die Schauspieler am Verlassen des Theaters; dabei wurden Schauspieler
wie Zuschauer verletzt, die dann in ihren goldenen Kostümen und festlichen
Kleidern blutend und klagend auf den Freitreppen und in den Säulengängen
des Theaters lagen, bis sie weggezerrt wurden. Ein Senator aus Ligurien, der
in Genua und Trapani Werften besaß, und von dem später bekannt wurde,
daß er an seinem sizilianischen Sommerwohnsitz ein großes, privates
Walzerorchester unterhielt, hatte die Komödie verbieten lassen.
Christoph Ransmayr, Die letzte Welt, Frankfurt 1991, S.55ff, Siehe auch: Robert
von Ranke-Graves, Griechische Mythologie, Rowohlt re 404, Kapitel 83, Midas


übel die Gab' anwendend, erwidert' er: Schaffe, daß alles,
was mein Leib auch berührt, in funkelndes Gold sich verwandle!
Machtvoll winket dem Wunsch, ein Geschenk zum Schaden gewährendt,
Bromius; doch er bedau'rt, daß ihm nichts Besseres einfiel.
Froh des Bösen enteilt der berecynthische Hochfürst,
Und das verheißene Wort versuchet er, alles berührend.
Kaum nun glaubt er sich selbst, da der niedrigstämmigen Eiche
Ein hellgrünendes Reis er entzog: und golden das Reis ward.
Rasch erhob er den Stein; auch der Stein erblaßte zu Golde.
Eine Scholle berührt' er; die Scholl' in der mächtigen Hand war
Flimmerndes Erz. Er raufte sich dorrende Ähren der Ceres;
Sieh, und: er erntete Gold. Wenn er Obst vom Baume sich abpflückt,
Scheint es der Hesperiden Geschenk. Wenn den ragenden Pfosten
Kaum sein Finger genaht, gleich strahlt's von den Pfosten wie Feuer
Selbst wann jener die Hand' in lauteren Fluten gewaschen,
Konnt' auch Danae täuschen die Flut, von den Händen gerötet.
Kaum noch umfaßt sein Herz die Hoffnungen: golden erscheint ihm
Alles. Den Tisch nun ordnen dem Fröhlichen emsige Diener,
Voll mit leckerem Fleische gehäuft, und gebackener Feldfrucht.
Aber anjetzt, sobald er mit eigener Rechte der Ceres
Gabe gerührt, so erstarrte die heilige Gabe der Ceres;
Oder sobald er das Fleisch mit dem Zahn zu malmen gedachte,
Ward es zu gelblichem Blech, und klirrt' ihm unter den Zähnen.
Traubensaft von dem Schöpfer der Wohltat mischt' er mit Wasser;
Gleich schien flüssiges Gold ihm hinab in die Kehle zu gleiten.
Ovid, Metamorphosen, Uebertragung J.H.Voss, Insel 1237



Who knows, vielleicht gehen Ospubs und der unschuldige Berlu zusammen nach
Neapel um...
... die sünden der andern zu beklagen.
... denn partielle intelligenz macht robust. Und Entropia lacht dazu.